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Kall Trail [66]

Vossenack

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Der historische Hintergrund

Nachdem sich die Front von den Niederlanden bis nach Lothringen festgefahren hatte, beschloss Eisenhower auf einer Konferenz mit Montgomery und Bradley am 18. Oktober 1944 in Brüssel einen neuerlichen Vorstoß zum Rhein. Zur Vorbereitung sollte die strategisch wichtige Ortschaft Schmidt oberhalb des Rursees eingenommen werden. Da die 9. Division bei den Kämpfen im Hürtgenwald ca. 4.500 Mann verloren hatte und völlig erschöpft war, wurde sie durch die 28. US-Division ersetzt.

Der Plan sah vor, dass das 109. Regiment Richtung Hürtgen angreifen und die linke Flanke sichern sollte, das 110. sollte gleichzeitig vom Ochsenkopf aus Simonskall einnehmen und dann weiter nach Steckenborn und Strauch vorstoßen. Das 112. sollte nicht nur die Ortschaft Vossenack besetzen, sondern weiter durch das tief eingeschnittene Kalltal die Orte Kommerscheidt und Schmidt einnehmen, um dann nach Westen einzuschwenken und mit den Einheiten bei Monschau Kontakt aufzunehmen. Zu viele Ziele und zu wenig Aufklärung, so ließe sich die Ausgangssituation am ehesten beschreiben. Zwar waren die Kampfeinheiten mit topografischen Karten ausgestattet, aber in den weit zurückliegenden Stäben auf Korps- und Armeeebene begnügte man sich mit dem Nachdruck der Michelin Straßenkarten von 1940 - in der weder die steilen Täler, noch die Rurtalsperre eingezeichnet waren.

Ob die Talsperren bei diesem geplanten Angriff jemals eine Rolle gespielt haben, hat bis heute zu Kontroversen geführt. Klar war: solange die Deutschen die Dämme kontrollierten, konnte sie durch eine gezielte Überflutung jede Armee an der Rur aufhalten. Joe Collins, Kommandeur des VII. US-Korps, der den ersten Angriff Richtung Schmidt befehligte, stellte in seinen Memoiren fest: „Weder gab es einen Hinweis auf die beiden großen Dämme ... südlich von Schmidt, noch wurden sie als Angriffsziele dem VII. Korps zugewiesen.“ („Lightning Joe“, 1979) Colonel Peterson, der als Kommandeur des 112. Regiments den zweiten Angriff führte, stellte später lapidar fest: „Die Talsperren waren nie in unserem Blickwinkel“ ("...never entered the picture"). Für die deutsche Führung stand jedoch fest, dass ein amerikanischer Angriff auf Schmidt nur dieses eine Ziel haben könnte. Daher setzte Generalfeldmarschall Model, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B und just zu diesem Zeitpunkt mit allen wichtigen Kommandeuren bei einer Planübung auf Gut Schlenderhahn bei Bergheim, alle verfügbaren Truppen ein, darunter die gerade nach der Kapitulation von Aachen frei gewordene 116. Panzerdivision, um den Vormarsch zu stoppen.

Mittlerweile hatte sich das Wetter dramatisch verschlechtert und es begann der miserabelste Herbst seit Menschengedenken. Wenn man die immer wiederkehrenden Berichte über die amerikanische Materialüberlegenheit liest, ist es kaum vorstellbar, dass die Soldaten die mittlerweile um die Null Grad kalten Nächte in Sommerkleidung in den Schützenlöchern verbringen mussten und auf eine derartige Kampfführung überhaupt nicht vorbereitet waren. So kam es neben den ansteigenden Verlusten durch Tod und Verwundung zu immer mehr - von der Führung euphemistisch bezeichneten - „Nicht kampfbedingten Ausfällen“, womit Grabenfuß, Erfrierungen und Lungenentzündungen gemeint waren. Gibt die Erste US-Armee für den Zeitraum von 1. September bis zum 15. Dezember 1944 die Zahl von 47.039 an Toten, Vermissten und Verwundeten an, so kamen noch einmal 50.867 Ausfälle durch Krankheiten und physische wie psychische Erschöpfung dazu.

Am 2. November 1944 morgens begann schließlich das, was auf deutscher Seite als „Allerseelenschlacht“, auf amerikanischer Seite als „Battle for Schmidt“ bekannt wurde, bis heute als einer der verlustreichsten Kämpfe einer US-Division auf dem europäischen Kriegsschauplatz gilt und als abschreckendes Beispiel Teil der US-Generalstabsausbildung wurde. Der Militärhistoriker Charles MacDonald hat den Verlauf dieser Kämpfe genauestens analysiert. Da diese Analyse für jedermann zugänglich ist, (http://history.amedd.army.mil/booksdocs/wwii/Schmidt2/Schmidt.htm) sollen hier nur einige Schwerpunkte dargestellt werden.

Ende Oktober trafen die Einheiten der 28. US-Division im Raum Hürtgenwald ein und bezogen die ehemaligen Stellungen der 9. Division, die noch heute im Wald westlich des Hotels „Zum Alten Forsthaus“ gut erkennbar sind. Für die Vorbereitungsphase der „Operation Queen“ wurde die Infanteriedivision mit zusätzlichen Panzer- und Panzerjäger-Bataillonen verstärkt. Nach einem einstündigen Artilleriebeschuss stürmten die drei Regimenter gegen 9 Uhr am Morgen des 2. November ihren Angriffszielen entgegen. Für das 109. wurde das Minenfeld im Walddistrikt „Wilde Sau“ jedoch zur Todesfalle, und musste bereits nach 5 Tagen durch das 12. Regiment der 4. US-Division abgelöst werden. Auch das 110. konnte lediglich Simonskall einnehmen, blieb aber ansonsten in der Bunkerkette am Ochsenkopf stecken. Nur das 112. schaffte es bereits am ersten Tag Vossenack und den Bergrücken einzunehmen und stieß am folgenden Tag bis zur Kirche von Schmidt vor. 

Dieser plötzliche Erfolg ließ den Kommandeur der 28., General Norman “Dutch“ Cota, seine übrigen Verluste vergessen, und er fühlte sich „ein bisschen wie Napoleon“. Glückwünsche trafen von überall her ein, doch in Wirklichkeit begann sich die Gesamtlage dramatisch zu verdüstern. Teile der 116. Panzerdivision und des 89. Regiments begannen nun die zwei amerikanischen Bataillone in Schmidt und Kommerscheidt anzugreifen und ein verheerender Artilleriebeschuss, geleitet durch verdeckte Beobachter und gesteuert von den Bunkern am Burgberg, ging auf die Soldaten nieder, die zu erschöpft waren, um mit ihren kleinen Schaufeln Schützenlöcher zu graben. Der Versuch, Panzer über den so genannten Kall Trail nachzuführen, wurde zum Desaster. Der Führungspanzer von Lt. Fleig fuhr auf eine Mine und blockierte den Pfad, weitere Panzer stürzten bei dem Versuch, sie um das Wrack herumzuführen, ab. Erst am kommenden Morgen schaffte es Fleig mit einem Ersatzpanzer nach Kommerscheidt vorzustoßen und blieb dort für weitere 24 Stunden der einzige, der den immer mehr in Panik geratenden G.I.s Panzerunterstützung geben konnte. Auch in Vossenack verschlimmerte sich die Situation. Die auf dem ungeschützten Bergrücken der deutschen Artillerie ausgelieferten Soldaten des 2. Bataillons rannten schließlich am 6. November in Panik zurück und erst an der Kirche konnte mit Mühe und Not eine neue Verteidigungslinie aufgebaut werden. Als der Regimentskommandeur Colonel Peterson zum Divisionsgefechtsstand nach Rott gerufen wurde, kam er auf dem oberen Kall Trail in einen deutschen Hinterhalt und brauchte zwei Tage, um sich durch die feindlichen Linien durchzuschlagen. Cota war über den Anblick seines verwundeten Offiziers so entsetzt, dass er, schon angegriffen durch die sich überschlagenden Verlustberichte, in Ohmacht fiel. Alle Versuche, die Einheiten in Kommerscheidt mit neuen Reserven und Panzern wie der Taskforce Ripple und der Taskforce Davis zu unterstützen, scheiterten, und am 8. November wurde schließlich der Rückzug befohlen. In der Dunkelheit strömten die G.I.s Richtung Vossenack, teilweise von den Deutschen, die das Kalltal besetzt hatten, mitleidig durchgewunken. Im Bereich der Kallbrücke kam es zwischen dem 7. und 9. November, organisiert von dem deutschen Stabsarzt Dr. Stüttgen, wiederholt zu Waffenstillständen und dem Austausch von Verwundeten und Medikamenten, jedoch blieben diese Maßnahmen auf einen engen Bereich begrenzt; schon wenige Meter weiter wurde wieder getötet. Eisenhower, der zu diesem Zeitpunkt die Front an der Reichsgrenze besuchte, forderte einen neuerlichen Angriff auf Schmidt, musste aber letztendlich einsehen, dass mit diesen abgekämpften Soldaten keine Schlacht mehr zu gewinnen war. Die 28. wurde daraufhin zur Auffrischung in eine vermeintliche Ruhestellung verlegt, an der nach Meinung der alliierten Führung kein deutscher Angriff möglich sei: in die Ardennen. Nur wenige Wochen später wurde sie dort bei der deutschen Gegenoffensive fast völlig zerschlagen.

Nach der Allerseelenschlacht fanden im Kalltal keine weiteren nennenswerten Kampfhandlungen mehr statt, erst im Februar 1945 sollte die 82. Luftlandedivision nochmals über den Kall Trail angreifen. Ihr Kommandeur, James Gavin, der jüngste und zugleich fähigste General der US-Streitkräfte, war entsetzt, als er die Toten der 28. Division noch immer unbeerdigt in den Wäldern liegen sah und ihn an eine Szene aus Dantes Inferno erinnerten: 

„Darüber hinaus lagen zu beiden Seiten des Weges viele, viele Tote, deren Leichen nun aus dem Winterschnee wieder auftauchten. Diese von Wundbrand gezeichneten, entstellten und zerfetzten Körper waren starr und wirkten geradezu grotesk. Manche hatten die Arme zum Himmel erhoben, als flehten sie um Hilfe. Sie trugen den roten Keystone der 28. Infanteriedivision, „The Bloody Bucket“. Offensichtlich hatten sie im vergangenen Herbst hier gekämpft, kurz vor den ersten schweren Schneefällen.“ (aus „On to Berlin“, 1978)

Gavin fand weiter flussabwärts eine bessere Stelle für einen Angriff und zusammen mit der 78. Division wurde am 7. Februar die Ortschaft Schmidt eingenommen. Gavin wurde in seinem späteren Leben US-Botschafter in Paris und ein entschiedener Gegner des Vietnamkrieges.

Markierung der Tour:

  • Rureifel-Weg 66
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Infos zu dieser Route

Start: Pfarrer-Dickmann Straße

Ziel: Pfarrer-Dickmann Straße

Streckenlänge: 8,8 km

Dauer: 2:30 h

Schwierigkeitsgrad: schwer

Tourenart: Wandern

Aufstieg: 381 m

Abstieg: 381 m

Merkmale:

  • Rundtour

Weitere Informationen finden Sie im Navigator


Kartenmaterial

Wir empfehlen Ihnen für diese Wanderung die Wanderkarte Nr. 2 | Rureifel des Eifelvereins.
Diese erhalten Sie in unseren Tourist-Informationen vor Ort.

 

Rureifel Tourismus e.V.

An der Laag 4
52396 Heimbach
Telefon: 0049 2446 805790

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