Blick ins Kalltal

Heinrich-Boell-Weg [35]

Hürtgenwald

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Am Abend des 11. September 1944, nur vierzehn Wochen nach der Landung in der Normandie, stand die 1. US-Armee an der deutschen Reichsgrenze und am Westwall, einer Linie, die eigentlich erst im Mai 1945 erreicht werden sollte. In diesem historischen Augenblick wäre es für die Alliierten möglich gewesen, innerhalb weniger Tage den Rhein zu erreichen, da dem deutschen Oberkommando nur versprengte Einheiten zur Verfügung standen und der Westwall weitgehend unbesetzt war (siehe dazu „Westwall-Weg“ und „Ochsenkopf-Weg“). Doch aufgrund des Nachschubmangels und mit Rücksicht auf die verbündeten Briten entschied sich Eisenhower für Montgomerys Plan „Market Garden“, der vorsah, den Westwall bei Arnheim zu umgehen. Mit dem Scheitern des bis dahin größten Luftlandeunternehmens begann für die Alliierten ein düsterer Herbst der Niederlagen.

Es folgten wochenlange Kämpfe in den dichten Forsten zwischen Monschau, Aachen und Düren. Eines der strategischen Ziele war dabei die Ortschaft Hürtgen. Nachdem immer mehr Verluste zu beklagen waren und die Truppen im dichten Wald und im Schlamm stecken blieben, wurde der Name des Dorfes zum Synonym für Tod und Verwundung: Hurtgen, das klang für die Amerikaner wie to hurt = verletzen, mit einer deutschen Endung. Je weiter die Amerikaner in das unwegsame Gelände vorstießen, desto mehr verloren sie ihre Überlegenheit an Material und Technik, denn Panzer, Artillerie und die Luftstreitkräfte konnten in die Kämpfe in dieser „grünen Hölle“ kaum eingreifen, die Masse der Soldaten war für eine Kriegsführung in den dichten Wäldern nicht ausgebildet.

Als sich Mitte Oktober, nach harten Straßen- und Häuserkämpfen, die Einnahme Aachens abzeichnete, beschloss Eisenhower einen neuerlichen Vorstoß auf den Rhein. Zur Vorbereitung sollte von Vossenack aus die Ortschaft Schmidt jenseits des Kalltals eingenommen werden, um einen südlichen Korridor zu öffnen. Am 2. November 1944 begann das, was bis heute als „Allerseelenschlacht“ bekannt ist und zur größten Niederlage einer US-Division auf dem europäischen Kriegsschauplatz wurde (siehe dazu: „Kall Trail“). Die eigentliche Offensive startete aufgrund schlechten Wetters erst am 16. November 1944 mit dem größten taktischen Luftangriff zur Unterstützung von Bodentruppen während des gesamten Zweiten Weltkriegs, bei dem die Städte Düren und Jülich bis zu 97 Prozent zerstört wurden. Obwohl der Schwerpunkt von „Operation Queen“ im sogenannten Stolberg-Korridor lag, waren auch hier die schwersten Verluste im „Hurtgen Forest“ zu verzeichnen (siehe „Hemingway-Trail“). Da Hürtgen erst Ende November eingenommen und der Burgberg schließlich am 7. Dezember erstürmt wurde, ist der US-Führung die strategische Bedeutung der flussaufwärts gelegenen Talsperren erst mit dem Erreichen der Rur bewusst geworden.

Ein am 13. Dezember 1944 erfolgter Angriff scheiterte am deutschen Aufmarsch zur Ardennen-Offensive, mit deren Beginn drei Tage später die Schlacht im Hürtgenwald vorläufig endete.

  Von Westen kommend liegt der Hürtgenwald als nördlicher Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges wie eine Barriere entlang der deutsch-belgischen Grenze, auch für die vom Atlantik hereinströmenden Tiefausläufer, die das Hohe Venn und die angrenzenden Wälder zu den regenreichsten Gebieten Westeuropas machen: Während im sogenannten „Dürener Loch“ im Jahr etwa 600 Liter Regen anfallen, sind es dort 1.200. In jenem düsteren Herbst 1944 wurde die Kriegsführung zusätzlich durch das schlechteste Wetter seit Jahrzehnten erschwert. Die zerschossenen Wälder und zerfahrenen Waldwege bildeten Schlammwüsten, die Temperatur sank teilweise unter den Gefrierpunkt und immer wieder setzte Schneefall ein, der vor allem die amerikanischen G.l.s in ihren Sommeruniformen eiskalt erwischte. Mit der Erstarrung der Front im Westen waren auf deutscher Seite immer mehr Soldaten mit Kampferfahrung in den Hürtgenwald gekommen, die jetzt, auch angeheizt durch die Goebbelssche Propaganda, einen erbitterten Widerstand leisteten. Erst nach dem Zusammenbruch der deutschen Ardennen-Offensive gelang es der 1. US-Armee schließlich Anfang Februar 1945 die Rurtalsperren einzunehmen, doch hatten die Deutschen die Druckstollen zum Kraftwerk Heimbach gesprengt. Erst Ende Februar konnte der Fluss überquert werden und mit der Einnahme der noch intakten Ludendorff-Brücke bei Remagen wurde am 7. März der lang ersehnte Brückenkopf über den Rhein errichtet.

Für die aus der Evakuierung zurückkehrende Bevölkerung bot sich ein Bild des Grauens. Völlig zerschossene Dörfer, Wälder voller Toter und eine Wüste aus Schlamm, durchsetzt mit zerstörtem Kriegsmaterial. Und überall Minen, die zur tödlichen Gefahr wurden. Noch bis weit in die 50er Jahre kamen viele Minenräumer, aber auch Zivilisten bei Unglücken mit Kampfmunition ums Leben. Zu allem Unglück entstanden im heißen Sommer 1947, bedingt durch die überall verstreut liegende Phosphormunition, immer wieder Brände, die kaum gelöscht werden konnten. Für die Bewohner der Region bot sich jede Nacht ein schauriges Spektakel, wenn sich über der Nordeifel in das rot glühende Licht der Waldbrände die Explosionen der Kampfmunition mischten. Erst im Oktober gingen die Feuer zurück und hinterließen buchstäblich verbrannte Erde. Das Bild des Hürtgenwaldes mit verbrannten und verkohlten Baumstämmen, zwischen denen die Toten des Krieges liegen, ist also erst zwei Jahre nach den eigentlichen Kämpfen entstanden (siehe „Paul-Boesch-Weg“). Jetzt erst konnte auch mit der Totenbergung begonnen werden, die vor allem privat organisiert wurde. So konnte der ehemalige Pionierhauptmann Julius Erasmus nach eigenen Angaben über 1.500 tote Soldaten bergen und ihnen eine letzte Ruhestätte geben. Er schuf somit den Grundstock für den Soldatenfriedhof Vossenack. Wie viele Soldaten wirklich in der „Death Factory“ (G.I.-Slang) umkamen, bedarf immer noch einer genauen Klärung, neueste Schätzungen gehen von etwa zehntausend Toten im Bereich des Kampfgebietes Hürtgenwald aus – eine hohe Zahl für dieses kleine Gebiet zwischen Monschau und Düren, Vichtbach und Rur.

Mit den Jahren wurden die Dörfer wieder aufgebaut, die Wälder aufgeforstet und die Landschaft mag anmuten, als habe hier nie ein Krieg statt gefunden. Wer aber genau hinschaut, der erkennt die alten Unterstände, die Granattrichter und Bunkerreste. Obwohl die „Abwehrschlacht im Westen“ das Morden um fast ein halbes Jahr verlängerte und somit die Zerstörung der Städte und das Leiden der Soldaten, Zivilisten und Verfolgten in einem bereits verlorenen Krieg verlängerte, ist die „Schlacht im Hürtgenwald“ bis heute kaum bekannt. Vielleicht auch, weil diese immerhin längsten Kämpfe auf deutschem Boden (September 1944 bis März 1945) nur eine von vielen Schlachten entlang einer 900 Kilometer langen Front von der Scheldemündung bis zu den Vogesen war.

Der literarische Hintergrund

Obwohl die Kämpfe im Hürtgenwald lange ignoriert bzw. als Nebenkriegsschauplatz abgetan wurden, haben die Ereignisse in der Literatur ihre Spuren hinterlassen. Der spätere Nobelpreisträger Ernest Hemingway war während der „Operation Queen“ als Kriegskorrespondent bei der 4. US-Division, wenige hundert Meter weiter befand sich der spätere Pulitzer­preisträger Jerome D. Salinger, der dort die ersten Kapitel von „Der Fänger im Roggen“ schrieb. Die erste deutsche Übersetzung dieses Nachkriegsklassikers wurde von Heinrich Böll verfasst, der bereits in den 60er Jahren dem Hürtgenwald, an dessen Rand er ein Haus gekauft hatte, mit dem Essay „You Enter Germany“ ein literarisches Denkmal setzte. Veteranen haben ihre Erfahrungen in dieser Kriegshölle literarisch verarbeitet: Paul Boesch, Raymond Gantter, die Hollywood-Legende Samuel Fuller u.v.a. So weit es möglich war, haben wir versucht, die Orte ihrer Handlungen zu lokalisieren und in die Historisch-Literarischen Wanderwege zu integrieren. Gleichzeitig finden Sie im Literaturverzeichnis in jedem Faltblatt Angaben zu den genannten Autoren.

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Infos zu dieser Route

Start: Nationalpark-Infopunkt Zerkall

Ziel: Nationalpark-Infopunkt Zerkall

Streckenlänge: 6,2 km

Dauer: 02:00 h

Schwierigkeitsgrad: leicht

Tourenart: Wandern

Aufstieg: 240 m

Abstieg: 240 m

Merkmale:

  • Rundtour

Weitere Informationen finden Sie im Navigator


Kartenmaterial

Wir empfehlen Ihnen für diese Wanderung die Wanderkarte Nr. 2 | Rureifel des Eifelvereins.
Diese erhalten Sie in unseren Tourist-Informationen vor Ort.

Rureifel-Tourismus e.V.

An der Laag 4
52396 Heimbach
Telefon: 0049 2446 805790

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