Marlene Dietrich. Die Diva

Marlene Dietrich - Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.

„ … eins muss ich Ihnen sagen, Sie konnten diese grosse Karriere machen, weil Sie ein Mensch waren und – was noch wichtiger ist – einer geblieben sind! … Und wenn ich etwas durch die Zeit und ihre enormen Umwälzungen gelernt habe, so ist es die Achtung vor dem Charakter, den man nie so genau entdeckt hat wie in solchen Tagen!“Max Kolpe alias Max Colpet an Marlene Dietrich am 1. August 1933 aus dem Pariser Exil

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Das Junkerhaus im beschaulichen Simonskall ist Kennern ein Begriff für kleine aber feine Ausstellungen. Die „Kölner Progressiven“ und der schillernde B. Traven waren vor 100 Jahren Ausgangspunkte eines kulturellen Lebens im Tal der Kall.

Und jetzt: eine Marlene Dietrich-Ausstellung. In der Nordeifel. Wo ist der Bezug? Was hat die Diva, die zwischen Berlin, Los Angeles und Paris pendelte mit der Eifel zu tun? Diese Fragen beantwortet die Ausstellung mit dem Titel
„Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.“

Ein weniger beachteter Teil ihres Lebens ist ihr Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen, den Nationalsozialisten, zu Unrecht, zu „Krieg und Frieden“.
Die von der Gedenkhalle Oberhausen entwickelte Wanderausstellung zeigt, für welche Haltung diese Frau ihr gesamtes Leben lang stand. Anhand zahlreicher Dokumente, Fotografien und weitgehend unbekannter Filmsequenzen wird dies rekonstruiert.

Der räumliche Bezug entsteht am Ende des Zweiten Weltkrieges. Nachdem Marlene Dietrich 1944 bereits vor zahlreichen US-Soldaten in Italien aufgetreten war, führte sie eine zweite Tournee für die amerikanischen Streitkräfte im Herbst/Winter 1944/45 auch in das belgisch‐deutsch‐niederländische Grenzland. Unter anderem gastierte sie in Eupen, St. Vith, Verviers und Spa, in Aachen und Stolberg, sowie in Heerlen und Maastricht. Hier sang sie für die Befreier von Aachen und für die Kämpfer im Hürtgenwald auf dem Weg in Richtung Berlin. Dies hat die lokale Kulturinitiative HöhenArt e.V. bewogen, die Ausstellung für sechs Wochen in die Region zu holen.
Marlene sorgte also vor fast 75 Jahren bei den Feinden Hitler-Deutschlands für die Moral. Fotos zeigen sie z.B. mitten im zerstörten Aachen, vor dem Rathaus in Eupen, in Stolberg oder posierend auf der Höckerlinie des Westwalls. Dieser regionale Teil der Ausstellung wurde von Dr. Herbert Ruland vom Projekt „Grenzgeschichte“ der Autonomen Hochschule Ostbelgien kuratiert.
Dass der Dietrich ihr Engagement auf der Seite der US-Amerikaner bei ihrer Deutschland‐Tournee 1960 von Teilen der deutschen Öffentlichkeit massiv vorgeworfen wurde, das wundert wenig. Genau so wenig wie die Tatsache, dass die Diva zur gleichen Zeit in Israel oder auch in Polen gerade für diese Haltung gefeiert wurde. Verständlich also, dass sie nach dieser Erfahrung nur noch selten nach Deutschland reiste. Erst mit ihrem Tode 1992 in Paris kam sie zurück in ihre alte Heimat Berlin, in der sie 1901 als Marie Magdalene Dietrich zur Welt gekommen war und sich so früh wie eigensinnig in „Marlene“ umbenannt hatte. Ihr Grab gehört zu den Ehrengräbern Berlins.

Die „Marlene-Ausstellung“ wurde möglich dank der umfassenden Unterstützung durch die Marlene-Dietrich-Collection-Berlin. Hier wird der Nachlass dieser Künstlerin von Weltruf verwaltet und genutzt.